Und woher kam jetzt noch mal Ihr siebter Vorname? – oder: Adelsg'schichten

Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Großbritannien hat mich die WIENERIN zum Thema Adelshochzeiten befragt. Aber man muss das Land nicht verlassen, um dem Adel beim Leben zuzusehen.

Schloß Neuschwanstein
Ich bin noch nie so vielen Menschen mit adliger Herkunft begegnet wie in Wien. Normale Alltagsszene, dass ein junger Habsburg-Lothringer samt langem Vornamenregister beim Arzt ausgerufen wird.
Aber nach der zehnten Geschichte, die man sich anhören muss, wie der/die GesprächspartnerIn jetzt mit wem und wie über welche Ecke verwandt ist und ja man stünde natürlich in direkter Linie zum Kaiserhaus, würde es das noch geben, wäre das nicht sowieso besser?!, winkt man ab und sagt: ok, ich nenne Sie einfach Bob!

Ich liebe alte Traditionen und gute Erziehung, große Familien finde ich wunderbar, Herzensbildung und Ehrgeiz, nichts was ich ablehne. Aber bisher, muss ich gestehen, war ich über den Großteil der AdelstitelträgerInnen dezent entsetzt. Es ist wohl Ergebnis eines doppelten Leids: Österreich zerschlagen und zu einem kleinen Land geschrumpft, sind dem Adel auch noch die Titel genommen worden. Das ist für das Ego nur schwer zu ertragen. Es musste nicht erst Herr zu Guttenberg kommen, um zu zeigen, dass Schein und Sein auch nicht beim so gestrengen Adel immer übereinstimmen, es zeigt sich jeden Tag. Der Lack bröckelt. Es ist aber auch gemein: Man stellte einmal etwas dar, hat die ganzen Generationen im Rücken, man gehört zu einer sehr gut organisierten Elite, hat aber dennoch alle Freiheiten.
Überhaupt, die Freiheit ist am Ende an allem schuld. Sie ist die Hure, die verführt, den "Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen". Für etwas, das es nicht mehr gibt, ist der Adel bis heute allerdings in erstaunlich guter Verfassung…ob der Titel nun echt, erkauft oder erlogen, als Projektionsfläche funktioniert er bis heute. Und wann sieht man denn heute noch so theatralische Inszenierungen? 
In diesem Sinne, wir freuen uns auf den 29. April!...ach ja und darf man Uniformen eigentlich wieder sexy finden?

In der Presse: Mira Kolenc im Gespräch mit der WIENERIN: "Das Lieben der anderen", Nr.259, April 2011.