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Ich werde mir wohl eine Jeans kaufen und ein Doppelleben führen müssen. Ich weiß nur noch nicht welchen Namen ich mir geben soll. Wie heißt man denn als unkompliziertes Mädchen von Nebenan? 
 
"Ich habe mich heute mal chic gemacht, ich muss ja niemanden mehr kennenlernen." Da stand ich nun neulich nachts in München, betrachtete die bayrischen Männer und hörte mir an, was die Damenwelt zu sagen hatte. Vor mir eine attraktive, geistreiche und frisch gebundene Frau, deren "Marktwert" man aus weiblicher Sicht sofort auf 10 von 10 möglichen Punkten einstuft und die der Überzeugung nachhängt, dass Mann eher in schlichter Jeans und T-Shirt kennengelernt werden kann als "aufgemascherlt". Und das in München! Ich weiß schon, wir wehren uns gerne gegen Klischees, so im Allgemeinen. Die schlechte Nachricht, es ist häufig an den Klischees was dran, so im Allgemeinen. Mein Staunen ist also durchaus berechtigt. Wobei es eher konservativ denn experimentell zugeht in dieser Stadt. Insofern vielleicht doch weniger überraschend. 

Seit Jahren liegt mir eine Menge, nahezu auschließlich, männlicher Freunde mit dieser Thematik in den Ohren. Frauen, die zur Gattung der Zierfische gehören, sind einfach meist auf der Abschussliste von zu kleinen, zu alten, zu erfolgreichen, zu egozentrischen, zu eitlen Männern, inklusive der sogenannten Pick-up-Artists und all jenen anderen grenzenlosen Optimisten mit dezenter Realitätsverzerrung, Geltungsdrang und unbändiger Sammlerleidenschaft. Also lieber nicht zu "wartungsintensiv" kleiden, denn die mit Herz (+Ver- und Anstand), so der allgemeine Kanon, die finden einen nur in Jeans. Es ist tatsächlich eine Frage, die Frauen tief bewegt. Wir können das in Foren nachlesen, andere machen gleich ein ganzes Business daraus oder starten Selbstversuche.

Der Mensch ist nun einmal komplexbeladen und fantasiebegabt. Die Jeans scheint da quasi das Versprechen von niedrigen Hürden, gar von Unkompliziertheit und schneller Erreichbarkeit der Frau. Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht auch bei meinem jüngst aufgespürten endvierziger Verehrer mit (hallo Klischee!) zu schlanker, zu schöner, zu junger Ex-Freundin russischen Ursprungs – Sie wissen schon, so ein Typ Frau, die in jeder Lebenssituation eine perfekte Figur macht – genau überlege, ob ich da wirklich meinen Radiohintern in die Runde werfen soll. Diese Vorgängerin in Kombination mit dem Status des Mannes sind wie zu "selbstbewusste" Kleidung der Frau. Wobei so ein Status in der Regel länger vorhält als Schönheit. Manchmal kann man gar nicht so viel Jugend besitzen, wie der Mann Status. Wer möchte sich schon ständig damit beschäftigen so jemanden in Schach zu halten? Eben. Zumal wir ja wissen, dass ab 45 die Lebenszufriedenheitskurve wieder steil nach oben geht und Männer gerne auch schon mal noch mit 70 Kinderwünsche hegen. Aber dann bitte gerne mit einer die 20 ist, wegen der Frische der Eier.
So mag die Jeansaffinität zwar irgendwie erklärbar sein, aber meine Herrschaften, das Bequeme ist doch auch häufig ungeheuer langweilig. Ich darf Sie sanft daran erinnern: YOLO! Lassen Sie sich doch einfach einmal überraschen. Und geht es schief, wars eben Erfahrung anstatt Offenbarung, was macht das schon?


Notizen…  

Buch: Aktuell erschienen und der Liebling der Feuilletons. Das Buch der Medientheoretikerin Barbara Vinkens "Angezogen: Das Geheimnis der Mode". Erschienen bei Klett-Cotta, mehr Infos unter: http://goo.gl/CifxoR
Im Interview mit der ZEIT: http://goo.gl/cFYNZm



Musik: Die Frau von heut´ greift eventuell lieber nicht zum Kleid. Hören: http://goo.gl/iPqY7I

Bartipps: In der "Lola-Bar", eine Mischung aus Club und Bar, lässt sich herrlich angenehm Zeit verbringen. Auf Bärte und die berühmte bayrische "Freundlichkeit" trifft man im "Zum Wolf" und im "Barroom" kann man auf kleinstem Raum delikate Mischungen verköstigen. Die "Goldene Bar" im Haus der Kunst ist dann etwas, wenn Sie Bedürfnis nach größerem Publikum haben und so ein bisschen Münchner Bussi-Bussi. 


München: Kera Till darf sich den ganzen Tag mit schönen Dingen beschäftigen – ich finde das sehr beneidenswert. Letzten September hat die Münchnerin zudem ihre Tipps in einem Buch zusammengefasst, das nicht nur hilfreich, sondern natürlich auch schön gestaltet ist. Wunderbar zum verschenken oder selber behalten. 
"München for Women", erschienen im Brandstätter Verlag, mehr Infos unter: http://goo.gl/Xe77k0

Beauty: Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht roten Nagellack trage. Das aktuelle Favoriten-Trio: Opi "Nail Envy", ein Nagelhärter, der seinen Job perfekt erledigt. Klares leuchtendes Rot von Anny "Women in Red 142" (hoch pigmentiert) und weil die Frau von heut´ ja nicht so viel Zeit hat und ohne kein Farblack mehrere Tage unbeschadet übersteht, ganz unerlässlich: "Quick Dry Topcoat", ebenfalls von Anny (Formaldehydefrei). Außerdem mein all time favorit, vor allem bei dieser Kälte: "Citrus Hand- und Nagelcreme" von Weleda.





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