I don't want realism. I want magic!

Alles überbewertet! Der Sex, die Liebe, die Zweierbeziehungen und überhaupt, alles ist doch so was von relativ.

"…gut im Alltag zusammen passen, gut im Alltag zusammen passen, darauf kommt es an? Und was ist mit der sinnlosen, romantischen, ausufernden Leidenschaft, der Magie einer Begegnung?" Bar Tabacchi, fünfter Bezirk. Vor mir ein Martini, neben mir, durch die extrem rauchgeschwängerte Luft etwas verschwommen, ein Herr, der gut auch Hollywood-Schmonzetten schreiben könnte, hätte er sich und seine Fähigkeiten nicht schon dem diplomatischen Dienst verschrieben. Also ein Mann mit Gute-Umgangsformen-Garantie, den man sicher nie betrunken wankend in ein Taxi zerren muss, während er das Barpersonal unflätig beschimpft. Das ist mitunter auch einmal ganz angenehm.

Seine Empörung galt meinen Ausführungen über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema "Leben zu zweit, jawohl, aber wie erfolgreich, glücklich, zufrieden und ein Leben lang?". Wissenschaftler interessieren sich auch für solche Dinge und fanden heraus, dass das Leben da beginnt, wo Hollywood-Filme enden. Ich hatte mir eigentlich als Ergebnis eine mathematische Formel erhofft, in die man einfach nur ein paar Zahlen einsetzen muss und am Ende kommt 1 oder 0 raus. 1 würde bedeuten, dass alles prima laufen wird, 0 dagegen, dass man es lieber mit jemand anderen probieren sollte. Stattdessen verkündete die Wissenschaft freudig, dass alles gut werden würde, wenn man keine Kinder hat, sich sehr ähnlich und in tiefer Freundschaft miteinander verbunden ist, außerdem sei Sex unwichtig (ATV´s "Rettet die Liebe – 7 Tage Sex"-Sendung hätte demnach eher "BFF – Rettet die Freundschaft" heißen sollen, oder so…) und Beziehungsdebatten zu vermeiden, weil sowieso nicht zielführend. Der sinkenden Geburtenrate nach, folgen wir, zumindest in Ansätzen, schon brav den wissenschaftlichen Empfehlungen. Trotz allem sollte man nicht aus dem Auge verlieren, dass sogar die Chance unter Gleichgesinnten, mit gleichen Bildungs- und Sozialhintergrund, mit gleichen Interessen, ähnlichen Arbeitsalltag und in regionaler Nähe, einen geeigneten Partner zu finden, nur eins zu zweihundert steht. Hat mal irgendwer herausgefunden. Jetzt nicht so berauschend. Denken Sie das mal an. Also ich komme nicht auf 200 Gleichgesinnte. Ich komme eher auf 800 Andersgesinnte, was wiederum ja einiges erklären könnte.

Aber, und das ist die gute Nachricht dieser wissenschaftlichen Untersuchung, der Satz "Lass uns Freunde bleiben" muss völlig neu verstanden werden! Während wir früher ja noch davon ausgingen, dass das die Schlussansage für jedes Hoffen war, müssen wir heute ein "Ja, unbedingt und zwar beste Freunde" antworten. So und nicht anders beginnen die großen Liebesgeschichten! Wenn Sie jetzt glauben, dass der Herr "Diplomat" einer der wenigen romantischen Ausnahmefälle ist, denn Spezialfälle gibt es immer, die fallen bei den wissenschaftlichen Untersuchungen aber meist ungeachtet unter den Tisch, Masse nicht Klasse zählt, dann möchte ich spielverderberisch anmerken: Beziehungsflüchtige kommen in mannigfaltigen Gestalten vor.

Notizen… 
Musik: "Wenn es Abend wird" singt Fritz Wunderlich. Die passende Musikuntermalung für "more magic"-Herren! Hören: http://youtu.be/sWgsnb_ZQbU
Artikel: "Liebe lieber unvollkommen", Rafaela von Bredow, Der Spiegel 23.12.2011. Lesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83328969.html
Erwähnt: Bar "Tabacchi", Ramperstorffergasse 61, 1050 Wien. www.bartabacchi.at

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