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Nicht so stürmisch, wir haben doch Zeit – oder: Entschleunigung

«Gegensätze ziehen sich an» sagt man so, doch "zunächst sind Gegensätze überhaupt nicht anziehend. Im Gegenteil. In der ersten Phase des Verliebtseins frönen die Partner einer Illusion: Sie bilden sich ein, dass der andere genauso sei wie sie, ihr emotionales Spiegelbild. Erst wenn diese Illusion zerstört sei […], beginne die eigentliche Beziehung […]."* Es lohnt sich also zu warten – oder?
  
Vogue 12/2011
Angesichts der kürzlich überstandenen Adventszeit, dem Paradebeispiel zelebrierter Vorfreude und der Mahnung, auch ich solle mich mehr vor-freuen und nicht gleich wollen, beschloss ich Buße zu tun.
Wobei, das führt uns schon zum religiösen Aspekt des ganzen. Ist nicht "Warten" eine der Tugenden, die Religionen immer verlangen und zwar auf etwas, von dem nicht einmal gewiss ist, dass es eintreten wird?
Wenngleich Religion nun nicht meine Spezialität ist, ich aber schon immer einmal den Satz sagen wollte "Wir haben doch ein ganzes Leben, um uns kennen zu lernen", nehme ich mich dieser Sache an – falls Ihnen abends rennende Männer begegnen sollten, kommen sie vermutlich gerade von einem Tête-à-tête mit mir, denn nein, solche "großen" Sätze werden selten ironisch aufgefasst…bei mir wisse man ja auch nie so genau, heißt es dann meist als Begründung. Endlich mal eine Einschätzung die stimmt.
  
Aber ist es denn nicht so? Theoretisch zumindest. Warum die Eile?
Praktisch läuft es ja eher so ab, dass es bereits nach kurzer Zeit des Ideenaustausches  zu intimeren Kontakt kommt, vor allem wenn Alkohol im Spiel ist, die Nacht miteinander verbringt und dann erst wird überlegt, ob man sich denn nicht "besser" kennen lernen möchte. 
Als ich das Thema "sollten wir nicht alle ein bisschen entschleunigen und uns mehr vor-freuen" neulich in eine Runde warf, kam lapidar zurück: "Mira, man kauft doch keine Katze im Sack." Was selbstverständlich heißen sollte, dass der Sex stimmen müsse und das gilt es als erstes herauszufinden. Allerdings könnte man das auch umgekehrt sehen, also erst kennen lernen, dann Sex. Man kauft doch keine Katze im Sack!

Kurz, einen Mann daten, der bereits seine Sympathie eingestanden und dem man selbst seine Sympathie eingestanden, nur um sich erst einmal kennen zu lernen ist, sagen wir einmal, "altmodisch"? Ich meine man muss ja jetzt nicht gleich das Drama von Anna Plochl nachspielen, wobei Drama. Hollywood hätte es nicht besser schreiben können, mitsamt dem Happy End. Und Heirat ist nun auch nicht das Ziel des Vor-freuens, außer…Sie wissen schon.
Gerade zu entsetzte Aufschreie gibt es zu dem Thema, denn was ist, wenn nun die Chemie nicht stimmt, die körperliche, natürlich. Die geistige wurde ja überprüft. Dann hat man sich vor-gefreut und am Ende ist alles eine riesige Katastrophe. Diese hohen Erwartungen, alles viel zu kompliziert, unentspannt. 
Manchmal ist das an Weihnachten doch nicht anders. Man freut sich vor und am Ende bekommt man doch nicht die Eisenbahn, die man sich gewünscht hatte (mittlerweile sind diese Art der Dramen natürlich stark zurückgegangen, nach dem man sich jedes Jahr selbst seine Wunsch-Eisenbahn kaufen kann).

Entspanntes Kennenlernen ist heute nicht mehr. Eher angespanntes Status checken. Derweil gibt es doch nichts schöneres, als die Neugierde auf einen anderen Menschen und die Bereitschaft, sich mit dem anderen auseinanderzusetzen. Dafür muss man sich allerdings einlassen und zwar nicht körperlich, sondern seelisch. Und das kann viel schmerzvoller sein – was dann auch immer kommen mag, zumindest hatte man eine Menge (Vor-) Freude.
Ich bin dann mal wieder raus aus dem Beichtstuhl! 

Dr. Ali Binazir, der Autor des Buchs "Tao of Dating", gibt praktische Anleitung:
Tip #4: Always leave him wanting more
Dating is like a story.  It has a beginning, middle and end.  It’s got characters, cliffhangers and climaxes (if you’re lucky).  So, like Sheherezade in the legend of 1001 Arabian Nights, you want to stop the story at a point that the King wants to know what happens next so badly that he comes back for more the next day.
This is called the art of always leaving him wanting more.  It’s caressing the back of his neck so he wonders what it’s like to kiss you.  It’s kissing him on the cheek so he’ll wonder what it’s like to make out with you.  It’s wearing a provocative dress (and keeping it on) so he can’t stop wondering about what’s underneath.  It means saying you find him interesting without necessarily revealing the true depth of your affection.
It’s called keeping him guessing a little bit.  It just makes things more interesting.
Granted, it’s your party, too, so eventually you will want to taste some cake yourself.  But at least in the initial stages of courtship, you should refrain from giving away the whole store.  If you sleep with him immediately and tell him you’re crazy for him, what’s left for him to look forward to?  That’s no fun.  So keep your power by tantalizing him, but not to the point of making either of you miserable from deprivation.  The result of too much delayed gratification is often just delay." Quelle

Film: In "Die Stimme des Mondes", dem letzten Film von Federico Fellini, sagt Ivo Salvini den Satz: "Ich wache jeden Morgen nur aus reiner Neugierde auf". Das ist doch wirklich das schönste Erwachen, das man sich vorstellen kann. 

*Tillman Prüfer, SZ-Magazin Nr.47, 17.11.2011, S.31.

Ich bin die Frau deiner Träume, auch wenn du es nicht wissen willst – oder: Nein!

Beziehungscoaching, auch das mache ich. Sie wissen ja, es beraten immer die, die am wenigsten Ahnung haben, Consultingfirmen machen es nicht anders. Aber das ist nicht der Grund für die Wirtschaftskrise – auch ich kann also nicht für Beziehungskrisen verantwortlich gemacht werden.

Club-Toiletten-Warnungen "LOVE HURTS. Schmusen kann tödlich sein."
Werbung für den "Schmusesalon"
Also abgesehen davon, dass ich gerade ja nur noch mit Männern "Beziehungsgespräche" – also Gespräche über Beziehungen, also der mündliche Austausch über die Schwierigkeit zwischen Mann und Frau, das gleiche zu gleicher Zeit zu wollen – führe und dabei feststellen muss: Ey die Jungs sind eigentlich doch ganz nett (nein, natürlich nicht Jungs, ihr seid Männer – aber ehrlich Männer, ihr wollt doch auch bis 40 noch wie Jungs aussehen). Denn viele Männer sind tatsächlich sehr redselig, offen, sprechen über Verletzungen und Ängste, über Entwicklungsschritte und frühe Lebenskrisen (so mit Mitte 20 dann die erste), über den Wunsch nach einer Beziehung und halten ziemlich viel aus. Gehen Kompromisse ein und ertragen die Marotten so mancher Frau – nicht dass jemand ohne Marotte wäre, aber ja, es gibt tatsächlich komische Auswüchse. Sie haben Verständnis, Sehnsüchte, machen sich über Dates, Sex und Geschenke Gedanken und versuchen irgendwie ihren Platz in der Welt zu finden. Sie beschweren sich weniger als Frauen, sie stehen vieles länger durch und hoffen auf bessere Zeiten, sie suchen das Gespräch, wollen ein gemeinsames Leben und Nähe.

Viele sind natürlich nicht alle – was ist also mit dem Rest? Das sind dann die mit denen wir uns häufig herumschlagen müssen. Da ist alles kompliziert, verworren und schmerzvoll. Man müsste sich halt irgendwie "richtig" verlieben lernen, schon klar.

Aber was bringt es? Mann und Frau sollte sie rigoros über Bord werfen, die Menschen, die einen im Grunde nur als Belastung sehen und nicht als Bereicherung, für die man Zwang und Eingrenzung bedeutet, die jede Auseinandersetzung mit einem vermeiden, weil scheinbar nicht einmal dafür der andere wertvoll genug ist, die sich nicht einmal auf ein Treffen am nächsten Tag festlegen wollen, für die das Leben mit dem anderen eine Überforderung ist, bei denen man sich immer wie bei einem Vorstellungsgespräch fühlt, weil man sich selbst anpreisen muss wie auf einem Jahrmarkt, einen mögen aber für eine Beziehung nicht bereit sind oder angeblich die Ex-Freundin nicht mehr überwinden können.

Da hilft nur eines: Aufstehen und gehen. Eventuell noch vorher einen Drink ins Gesicht kippen (irgend so ein Gemisch aus Bier, Rotwein und Cola) oder ins Gesicht schlagen (diese alte Geste ist, unter Erwachsenen, meiner Meinung nach erlaubt). Es hilft nichts sich als Mutter Theresa aufspielen zu wollen oder Therapeutin zu werden. Sagt nein und sucht euch jemanden der euch liebt!

Lesetipp: "Feste Bindungen" Ein Aufsatz des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer. Er gibt zu bedenken: "Die ungestümen Bürger der Moderne verlieben sich und glauben für eine Weile, sie hätten einen sicheren Ort gefunden. Sie entlieben sich, wenn ein Schatten auf die Beziehung fällt. Nicht wenige verharren in diesem Stadium des swinging single."
Lesestoff: "Wenn Liebe zum Desaster wird: Mobbing in der Partnerschaft" von S. Nufer und H.C. Schrader. Was Sie eher nicht lesen sollten, denn wenn Sie dieses Buch durch haben, können Sie sich eines ganz sicher sein: Sie werden in Ihrer Partnerschaft gemobbt – oder paranoid.

"Girl-friendy Type Persons" – oder: Definitionen am Rande des Wahnsinns (der Liebe)

Single, in einer Beziehung, verlobt, verheiratet, es ist kompliziert, in einer offenen Beziehung, verwitwet, getrennt, geschieden – das bietet Facebook uns UserInnen, um unsere interpersonalen Verhältnisse klar zu machen. Verpartnert fehlt noch, das könnte ich zumindest bei meiner Krankenkasse ankreuzen.

In Operetten ist das Leben auf jeden Fall einfacher, zumindest
gibts am Ende immer eine klare Lösung...
Der Versuch einer Etikettierung der interpersonalen Verhältnisse ist der Tod der Liebe. Oder vielleicht auch nicht. 
Mein Haus- und Hofpsychologe (das ist ein Psychologe, der diese Tätigkeit auch ausübt, vorzugsweise ein älterer Herr mit dem man befreundet, aber nicht in Behandlung ist und trotzdem zwischendurch drei Sätze über Situationen sagt, die einen selbst betreffen und in der Regel dann wieder einmal im Mark erschüttern. Und zwar deshalb, weil mir die Welt der Psychologie so entsetzlich einfach vorkommt. Am Ende ist alles nur ein Mechanismus, den man sich erklären kann und dann steht man da, wie ein begossener Pudel, mit der eigenen Scham, weil es im Grunde doch überhaupt nichts zum Aufregen gibt) würde sagen, ohne kommt die Liebe nicht aus. Die Erfahrung lehrt, ohne kommt die Liebe nicht aus. 

Nun gut.
Soziologen, darunter natürlich auch Frauen, also auch Soziologinnen, beschäftigen sich selbstverständlich vorzugsweise mit diesem Thema und sind auf der Suche nach definierenden Begriffen. Denn das Problem heutzutage ist ja bekanntlich, dass es nicht mehr ganz so einfach ist mit den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es gibt so viele Zwischenformen, dass niemand mehr wirklich durchblickt. So ergeben sich auch Abende, an denen man mit zahlreichen Ausführungen über die gelebte Beziehung von Pärchen überschüttet wird, um am Ende sowieso nur ein "Das freut mich für euch, dass das so wunderbar klappt" loszuwerden. Denn wir wissen, die Zeit wird es schon richten, so oder so. Und bitte, was ist schon richtig und was falsch? Es gibt keinen Standard an dem man sich reiben, messen, orientieren könnte. So schwimmen alle vor sich hin.

Aber das Schwimmen beginnt ja bereits beim ersten ausgemachten Zusammentreffen. Ist das nun ein Date (zu amerikanisch), ein Rendezvous (zu altmodisch und evt. auch schon zu eindeutig), ein Treffen (zu neutral), ein Freund (geht überhaupt nicht), was Ernsthaftes (wer weiß das schon, wenn man vom anderen nichts weiß), ein Bekannter (neutraler geht es dann kaum noch), ein Tête-à-tête (klingt nach rotem Plüsch und heimlicher Geliebten) und dann geht's weiter: Lover (klingt nach schlechter Serie), Affäre (klingt nach Politik oder Sex mit der Politik(ern)), Muse (diesen Titel bekommt man immer nur von Künstlern und er lässt sehr viel Spielraum), Friends with Benefits (Man ist nicht befreundet und hat Sex. Man hat Sex und keine Definition für den Rest.), Techtelmechtel (klingt nach Sex im Heu), wie dehnbar ist eigentlich die Definition von One-Night-Stand?
Gleichzeitig muss man für sich selber ja auch einen Begriff für den Zustand (hört sich nach Schwangerschaft an) finden. Ist man noch Single, reserviert, ein Date, eine Muse, ein Mingle (halb Beziehung, halb Single)…u.s.w. Was darf man, was nicht mehr, was soll man, was nicht…
Eva Illouz versucht es mit "Girl-friendy Type Persons" (GTP), für Frauen, die mehr als ein Techtelmechtel sind, aber noch nicht als Freundin eingestuft werden können. Klingt wunderbar, so technisch. Nicht GPS, sondern GTP. Das eine weißt den Weg, das andere ist ein anderes Wort für Niemandsland, wo einen das GPS im besten Fall nicht hinführen sollte.

Die Liebe ist ein (Definitions-)Krieg und die Männer sitzen am längeren Hebel, weil sie es schaffen, ihre Bindungsangst als Freiheitsstreben zu verkaufen. Ich finde die Vorstellung zusammen mit Gerald Matt, mit "Vom Kriege" unterm Arm, durch eine (Kunst-)Halle zu laufen und "Ich bin im Krieg! Und ich werde ihn gewinnen!" zu schreien, langsam immer attraktiver. Schließlich können wir das doch alle von uns behaupten. 
Wohin, mein Herr, wollen Sie mit mir gehen?

Lesestoff: Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung. Eva Illouz, Suhrkamp 2011
Zitat: "Gerald Matt. Dandy und Despot", Die Zeit 

Zwischen Wichsvorlage und Therapeutin – oder: Frischzellenkur

Sie sind vergeben? Erwarten Sie keine großen Bemühungen meinerseits. Sie sind nur die Dekoration im Schokoladenladen, vernascht werden Sie nicht.

"Ich bin NICHT zu haben" – oder vielleicht doch?
Jeder testet ja gerne seine Attraktivität auf dem Fleischmarkt. Gerne tun das auch Männer in festen Beziehungen und ich, als ausgewiesene Trophäe, eigne mich dafür ganz hervorragend. Gerade wenn die Freundin sich im Nestbau befindet, irgendwie im Ausland wohnt, mit einem Bandscheibenvorfall im Bett liegt oder die Kinder in schwierigen Phasen sind, heißt es: Mira, es ist schon nicht einfach. 

Aber bevor nun Frauen Sturm laufen, mein Name am Klingelschild ist schon längst abmontiert, nein, es ist alles gut. Denn ich darf versprechen, danach geht es der Beziehung (meist) wieder besser (gerne gewähre ich by the way Einsicht in mein Archiv – sollten Sie zu den Frauen gehören, die denken "mein Mann nie", dann sollten Sie an Ihrem Realitätssinn arbeiten).
Ein bisschen Träumen, ein bisschen Küssen, ein bisschen Neugierde und Staunen…und schon langweile ich mich über die ständige Wiederholung der Wiederholung: Männer, die glauben originell zu sein, die die Schuld allein bei der Frau sehen, weil eben so attraktiv und sie sich einfach nicht wehren können, die ihre Ängste und Sehnsüchte vor einem ausbreiten und etwas hilflos und desorientiert wirken. Um Forschungsmaterial muss Frau sich tatsächlich selten bemühen, aber Mann sollte sich nicht über zynische Bemerkungen wundern, denn es ist alles so vorhersehbar und im Grunde auch nicht fair.

Ich selbst überlege schon stark, ob ich nicht eine Pappfigur anfertigen lasse und zu gegebenem Zeitpunkt verschwinde. Immerhin kann Mann die Fassade dann immer noch betrachten und ich kann mich anderen Dingen widmen. Ich bin nämlich tatsächlich keine Therapeutin, kein Tierkopf, den man sich ausgestopft an die Wand hängt, kein Stofftier, das man streichelt und vor sich hin drückt, keine Kussmaschine und jemand der Aufmerksamkeit teilen würde. 

Mein Monolog in solchen Situationen, nonchalant vorgetragen: Sie sind vergeben? Sie haben drei Sekunden oder einen Vodka Zeit mit mir zu reden. Für offizielle Angelegenheiten schreiben Sie mir eine Email. Fassen Sie Ihre Freundin an, hören Sie auf zu jammern, mir hört auch niemand zu und suchen Sie sich Freunde. Die Mitleidsnummer ist erbärmlich genug. Adieu Monsieur! 
Und dann gibt es diese Ausnahmen, verdammt…man sollte sie niemals machen!

Hallo? Ist da jemand? – oder: Im emotionalen Niemandsland

Allzu viel Emotionalität darf sich Frau von Mann nicht erwarten, wenn sie geht. Dafür bekomme ich dann eine Menge Liebesmonologe vorgetragen.

Poesie made in Vienna. "Café Poesie" Wien, 5.
Dass Frau heute keine abendlichen Ständchen (also Serenaden) vor ihrem Fenster mehr erwarten kann, auch nicht in Italien, außer Sie haben irgendwie so ein "All-Inclusive-Italienische-Klischeeromantik-bis-Sie-Kotzen"-Paket gebucht, falls es so etwas gibt, wobei es gibt ja bekanntlich alles, ist nicht unbedingt an den mangelnden Sangeskünsten der Herren festzumachen. Es liegt auch nicht an der Erfindung der geräuschundurchlässigen Doppelglasfenster, wie Max Raabe vermutet.

Nein, große Gesten an sich sind einfach aus der Mode gekommen. Abgesehen davon, wir Frauen sind auch nicht mehr darauf vorbereitet. Niemand hat uns eine angemessene Reaktion gelehrt und die Herren niemand darin unterrichtet, wie mit Eleganz ein Liebesgeständnis vorgetragen werden muss, ohne dass sich alle Beteiligten in einer schlechten Schmierenkomödie wähnen. Die große Romantik gibt es nur im Kino. Dort gehört sie auch hin, falls sich gerade jemand überlegen sollte "Pretty Woman"-Szenen nachspielen zu wollen und bitte erwähne nicht noch einmal jemand "Dirty Dancing". Wann wurde beschlossen, dass dieser Film alle je erträumten Frauenträume verkörpert?

Nicht nur deshalb also, sind es am Ende immer die kleinen Gesten, die Bedeutung haben und berühren. Allerdings gar keine Gesten sind dann schon zu wenig. Ich wunderte mich über die tendenziell vorherrschende Gleichgültigkeit bei den Herren. Wenn Frau geht, ob nach fünf Tagen, nach sechs Monaten, drei Jahren, egal, Mann nimmt es hin oder geht Bier trinken. Meistens beides.
Und nein, Männer machen das nicht mit sich alleine aus. Meistens reden sie mit allen, nur nicht mit der Frau, um die es geht.
Mir wurden in meinem Leben schon eine Menge großer Liebensmonologe, es ging dabei meist nicht um etwas geringeres als die "Frau fürs Leben", vorgetragen, nur galten sie nie mir. Während die auserwählte Dame irgendwo anders mit ihren Freundinnen über Männer und deren unfassbare Gleichgültigkeit diskutierte, wähnte ich mich stets in Vorabendserien. 

Trotzdem bleibt die Frage, warum nicht einmal im schlimmsten Rausch obskure Anrufe aus Schnapshöllen getätigt werden, der Schrei des Entsetzens irgendwo an der Bar verhallt und die Schlacht mit bereits gesenkten Waffen für verloren erklärt wird. Kein Kawumm. Nichts. 
Die abwartende Position, was Frau denn nun tun werde, ist mir eine der unverständlichsten. 
Die Lethargielöcher, in denen die Herren sitzen, müssen beeindruckend tief sein. Vermutlich ist es auch ziemlich gemütlich dort unten. Auf jeden Fall wird Mann dort unten ganz entspannt alt und ich warte auf das Erdbeben, das diese Löcher zuschüttet. Samt Inhalt. 
Wer es nicht vorher raus schafft muss eben sterben. Sorry.

Biologisch sans a Niete – oder: Schlechte Aussichten!

Biologisch gesehen bin ich für die Herrenwelt nur ein fauler Kompromiss. Das erklärt natürlich einiges.

Dr. Prossinger (rechts außen) sagte mir eine männerlose Zukunft vorher.
Tja ja, wir werden sehen.
Manche Dinge will man gar nicht so genau wissen. Manche Menschen will man eigentlich auch eher nicht treffen. 
Aber Samstage sind dazu da, um Dinge zu tun, die unter der Woche liegen bleiben. Zum Beispiel komische Herrenrunden aufzusuchen, um sich sagen zu lassen, dass man biologisch-wissenschaftlich gesehen einfach ein Verlierer sei. Das Verhältnis zwischen Taille und Hüfte würde nicht stimmen, sagte mir der Herr Professor. Mann müsste also einen biologischen Kompromiss eingehen. Das Verhältnis zwischen Taille und Hüfte bei einer Frau würde nämlich der Mann innerhalb eines halben Augenschlages wahrnehmen und wenn das nicht stimmen würde, dann…Oy oy würde der Jude dazu sagen.

Während ich mir also beim Kaffeeschlürfen Schlachtpläne für die männerlose Zukunft ausmalte – wobei im Grunde kann dieses Fehlverhältnis nur dafür verantwortlich sein, dass ich nicht zur Mutter des Monats, aber sehr wohl zur Affäre des Monats gewählt werde – und den vielen, trotz dieses massiven Misstandes, grabschenden Händen ausweichen musste, ging um mich herum eine Die-armen-Männer-müssen-so-viele-Kompromisse-eingehen-Diskussion los.

Ich verließ mit wehenden Fahnen das Schlachtfeld und überließ die Herren ihrem Schicksal. Ich will sie ja auf keinen Fall zu Kompromissen zwingen, das wäre doch schon zu viel verlangt. Und nein, ich werde nicht nachmessen, ob das Verhältnis nun richtig ist. Bei Fortpflanzungsfragen wenden Sie sich bitte an meine blonde Nachbarin. Die hat sicher das richtige Verhältnis. 

Pssscht… Sagen Sie nichts, schießen Sie! – oder: Wien ist klein, sehr klein, ganz klein, also quasi mini

Frauen sollten mehr zusammenhalten. Es würde uns helfen, aber Frauen gönnen sich gegenseitig sehr wenig, vor allem wenn es um Männer geht. Alle wollen den "Häuptling". 

Uni-Klo-Weisheiten
Endlich "Tournee" angesehen, ganz spät abends, in einem dieser Kaufhäuserkinosäle (wenn man das Kino tot sehen möchte, dann geht man dorthin und sollte dabei schwarz tragen und eine weiße Lilie niederlegen) und was dabei gelernt?
"Tournee" ist ein Lehrstück darüber, dass aus Monstern nur Frösche werden, wenn man sie küsst, Frauen im Prinzip stark sind, wenn da nicht die schwachen Männer wären, der Satz "du solltest gehen, sonst entsteht noch eine Bindung zwischen uns" jeden Tag einmal gesagt werden sollte, verbrannte Erde verbrannte Erde bleibt und ein Arschloch ein Arschloch, Frauen manchen Männern sofort ins Knie schießen sollten und Rumbrüllen sehr befreiend sein kann…

Dabei kam so der Gedanke, dass wir Frauen mal weniger romantisch, sondern pragmatisch denken sollten! Also einen Salonabend ins Leben rufen, an dem alle Frauen der Stadt ihre aktuelle Liste über alle in der Stadt vorhandenen und auch schon abgelegten (aktuellen oder dauerhaften) beziehungsunfähigen Männer bekanntgeben können.
Wir Frauen sollten uns gegenseitig einfach mal mehr unterstützen, denn nein, auf die Männer ist einfach meistens (ich muss immer davon ausgehen, dass es Ausnahmen gibt) kein Verlass. Zehn Jahre Geburtshelferin zu spielen, das mag ja zwischendrin erfüllend sein, aber dass Er am Ende dann die zwölf Jahre jüngere Frau heiratet, die hinter ihm in der Kneipe stand, als er gerade beschlossen hatte jetzt doch bindungsfähig zu werden, ist meistens der Dank dafür. Am Ende bleibt immer jemand übrig. Keiner gewinnt bei diesem "Spiel". Ein Mann ist immer zu haben, so lange er nicht tot ist...

Mein Rat heißt deshalb, bis diese Salonabende ins Leben gerufen sind, Erkundigungen einholen!
Freundeskreise anschauen, Randpersonen fragen, Ex-Freundinnen ausfindig machen und selber mehr erzählen. Es ist zwar komisch, wenn man vorher schon mehr über die Person weiß, als die Person sich vorstellen kann – Versicherungsnummern kann man dabei getrost ignorieren, es geht um die wesentlichen Dinge – aber so war das in Dorfgemeinschaften auch schon immer.
Wien ist klein, sehr klein und habe ich schon erwähnt, dass deshalb alles immer irgendwie am Ende des Tages herauskommen wird? Es gibt so unüberschaubar viele Verbindungen und Ecken, so viele Knotenpunkte, das wird einen früher oder später einholen. Wir sollten uns das zu Nutze machen!

Nimm dich in Acht vor dem Mann Mitte Dreißig – oder: Zwischen Lebenskrisen, Egotripp und Babywindeln

"Die Liebe kann nichts falsch machen" * – Männer mitte Dreißig werden nicht unbedingt einfacher. Aber Jünglinge sind auch keine Lösung.

"Ich bin zu haben!"
Woran merkt man, dass man älter wird? Die Herren, die morgens neben einem aufwachen, sind über 30 (sollten Sie gedacht haben, weil alle um einen herum heiraten und/oder Kinder bekommen - nein das kann man lange Zeit gut ignorieren. Kinder sind und bleiben für mich ein Gerücht, von dem ich bereits einmal gehört habe, aber ich gebe wenig auf Gerüchte).
Natürlich ist ab und zu schon noch ein junger Mann von sagen wir einmal 23 darunter, aber immer öfter stellen sich im Angesicht der Jugend dann von alleine Fragen ein wie: Bin ich jetzt für ihn eher die ältere Schwester oder bereits die reifere Dame mit Erfahrungsbonus? Gefolgt von der Erkenntnis, dass es wohl langsam Zeit wird von den Studentenparties Abschied zu nehmen. Aber noch ist es nicht soweit.

Abgesehen davon, dass jüngere Männer stets im Trend liegen (zu welcher Zeit war der "Jüngling mit lockigem Haar" denn nicht begehrt?), sie haben durchaus ihre Vorteile. Denn bei Männern über 30 fangen Sätze schon mal mit "Mein Therapeut sagt…" an (wobei es sehr zu begrüßen ist, wenn ein Therapeut aufgesucht wird) oder die Geschichten über die Ex-Freundin nehmen einen großen Teil der Gespräche ein (meist wenn kein Therapeut aufgesucht wird).

Sicher aber ist, dass sie sich in ihrem Junggesellendasein und ihren Junggesellenwohnungen gut eingerichtet haben (eine Raumpflegerin haben sie by the way alle, auch wenn sich die Wohnungsgröße seit ihrer Studentenzeit oft nicht verändert hat), das Wiedereinstellen auf eine Beziehung (Stichwort "Kommunikation") schwer fällt, sie sich auf keinen Fall mehr ändern wollen, Kinder entweder sofort oder nie gewollt werden (könnte Frau sich dazu bitte gleich äußern), entweder gleich oder nie geheiratet werden soll und entweder sofort oder nie eine Beziehung eingegangen werden will. Die Zeit ist knapp, bitte Vertrag unterschreiben. Danke.

Frau bekommt da leichte Panik und schaut fragend in den Spiegel: Wie viele Jahre bleiben noch bis dieser Wahnsinn bei einem selber einsetzt?
Was ist, wenn man sich bei Babyshowerparties an die einzige Sektflasche klammert, um sie zu verteidigen, obwohl niemand davon trinken möchte?
Ist es die Angst vor der Entscheidung für ein Lebenskonzept, die einem im Nacken sitzt und wie ein Damoklesschwert ständig über einem schwebt? Nur wissen wir, dass bei uns das Rosshaar einmal reißen wird und wir irgendwann Stellung beziehen müssen. Auf Dauer kann man nicht die große Schwester sein und ein Konzept muss her. Als müssten wir nicht ständig Konzepte bereithalten, für alles, spontan, knackig, humorvoll, präzise und mit Zeit- und Budgetplan. Ich bin für konzeptlose Liebe! Bitte.
Es gab eine Zeit, da hat das Wünschen noch geholfen...

Lesestoff - Gesellschaftsanalyse: Sven Hillenkamp "Das Ende der Liebe. Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit.", Klett-Cotta.
Lesestoff - Ein "Das-müssen-Sie-gelesen-haben": Alain Badiou "Lob der Liebe", Passagen Verlag.
Film: "The Lady from Shanghai" (1947) von Orson Welles. Der Mann besiegt gemeinhin seine Angst vor der Frau einerseits durch Fetischierung der Frau und andererseits in dem er ihr Rätsel löst, sie entmystifiziert und bestraft. "The Lady from Shanghai" führt uns konsequent die Frau als Urgrund des Bösen vor und dafür wird sie vernichtet. Sehenswert!

*Peter Handke (litertur/a, Jahrbuch 2010/11, Ritter)

Saif al-Islam al-Gaddafi – oder: Gestatten, der illustre Kreis meiner Verehrer

Die Nächte in Wien halten viele Begegnungen bereit, von sonderbar bis wunderbar...
Falter vom 23.02.2011 mit Papa-Gaddafi (auf dem Cover)
und mir (auf S.31)
"All the world's a stage, and all the men and women merely players" aus Shakespeares As you Like It war mir stets Lebensmotto und doch habe ich es noch nie so eindrücklich umgesetzt gesehen wie in Wien. Keiner beherrscht eben die Kunst der theatralen Inszenierung mit dieser ausgesprochenen Finesse und immerwährendem Ehrgeiz wie die Katholiken!
Wunderliche Begegnungen, die gibt es für mich im Grunde nicht, ich würde sonst ja aus dem Sich-Wundern gar nicht mehr herauskommen. Ich staune vielmehr und stehe mit großen Augen vor dem Weltentheater, das sich jeden Tag bemüht die Vorstellung noch einmal imposanter zu gestalten.

Manch einer dieser Vorstellungen ist, auf der Nebenbühne Wien, aber dann doch gar zu wunderlich, manch einer der Protagonisten ein bekannter Schauspieler, der tatsächlich eine der, wenn man so möchte, großen Rollen ergattert hat, so wie Seif al-Islam al-Gaddafi.
Sein Auftritt? Kurz und formvollendet. Die Bühne klein und alkohollastig. Die Nacht war schon alt, als Monsieur sich vor mir aufbaute und seinen Monolog vortrug: "Ich habe Sie schon 14 mal gesehen, Sie sind die schönste Frau der Welt, der Mund ist perfekt, die Augen…".
Während ich rot wurde (man hat mir mehrfach versichert, dass ich das nicht könne und im Grunde ist es auch eine wohlmeinende Übertreibung, sehen Sie es mit einem Augenzwinkern. Denn selbstverständlich behält Frau in solchen Situationen die Contenance.) stand meine Begleitung mit gezücktem iPhone neben mir und googelte im Wettstreit um die Zeit, ob nicht, das muss doch, das ist er! – da war der Monolog auch schon zu Ende, ich bedankte mich artig, er verabschiedete sich artig und neben mir hüpften zwei Menschen aufgeregt hin und her und beteuerten mit glänzenden Augen, dass ich jetzt den Sohn von Gaddafi kennen würde.

Nun gut, so war das also, damals, noch lange vor den Aufständen. Aber warum auch nicht, in Wien trifft man sie alle, oder etwa nicht?
By the way, wir haben beide am selben Tag Geburtstag. Das Sterbedatum werden wir uns vermutlich aber nicht teilen. "Gott ist ein Komödiant, der vor einem Publikum spielt, das zu ängstlich zum Lachen ist." Voltaire und ich lachen.

"Hätten Sie gern eine Antwort?" – oder: Die Sache mit der Religion

Nirgends ist man sicher, vor den Menschen, die einem sagen wollen, wie man glücklich werden kann. Und ich sehe anscheinend wie das perfekte "Opfer" aus.

Corpus Delicti
Nicht, dass ich nicht jeden Tag mit Fragen im Kopf durch die Welt laufen würde, aber ab und zu erscheint auf meiner Stirn wohl ein blinkendes rotes Schild mit: Heute besonders auf der Suche nach Antworten. Helfen Sie mir!
Wie ist es denn sonst zu erklären, dass man als einzige aus der Masse von einem harmlos aussehenden älteren Ehepaar angehalten wird und der Herr einen etwas zerknüllten Flyer aus seiner Tasche holt, den er ganz by the way an mich weitergibt und dabei das Lächeln eines geübten Handelsvertreters aufsetzt.
In der morgendlichen Verwirrtheit, die kann bei mir durchaus vorkommen, auch wenn ich sie mir niemals anmerken lassen würde, nimmt man freundlich nickend und mit einem Ohr noch Callas hörend, das Blättchen an und sieht: Ah ja, die liebe Religion!

"Hätten Sie gerne eine Antwort?" schreit es einem da entgegen. Spontan fällt mir da schon etwas ein, aber nein, es ist wieder keine Frage dabei, die ich gerne beantwortet wüsste:
Liegt Gott etwas an uns? Werden die Kriege und all das Leid aufhören? Was geschieht beim Tod? (ah nicht nach dem Tod, sondern beim Tod…so so. Nicht einmal, als ich dachte mein irdisches Gastspiel sei nun bald beendet, ist diese "Was passiert nach demTod"-Frage aufgekommen und schon gar nicht die, was BEIM Tod passieren würde. Ich sage mal lassen wir uns überraschen. Bestenfalls wartet ein Glas Champagner auf uns). Werden Tote irgendwann wieder leben? Wie betet man richtig? Was macht wirklich glücklich?

Verlässliche Antworten auf diese Fragen (und nicht auf die, was die Welt im Innersten zusammenhält und wie man des Pudelskern entkernt und dabei noch etwas über den Pudel selbst lernt) finden sich selbstverständlich in der Bibel. Aber nicht in der "normalen" Bibel, nein in der "Was lehrt die Bibel wirklich"-Bibel.
Also gut, ich sehe es als meine heutige Aufgabe und widme mich der Frage, was uns wirklich glücklich macht (Ich hätte spontan gesagt ein Mohnbeugl und ein Kaffee, aber darf man das denn? Ist das nicht viel zu irdisch? Ok, vielleicht noch einen bestimmten Lockenschopf neben mir im Bett, aber ebenfalls irdische Vergnügungssucht). Nun gut die Bibel, also die, die "weiß was sie wirklich lehrt" sagt dazu (durchsetzt mit meinen Zwischengedanken, ich gebe zu, ein wenig zynisch, aber nichts anderes würde man von mir erwarten. Sie wissen doch: Zynismus ist der Humor der Hoffnungslosen):

WAS MACHT WIRKLICH GLÜCKLICH?

WARUM MAN SICH DAS FRAGT: Viele denken, um glücklich zu sein, müsste man reich, berühmt oder schön sein (zu viele Castingshows gesehen, wie?). Sie versuchen alles, um das zu erreichen, merken dann aber, dass das ersehnte Glück ausbleibt (vielleicht ist manchmal auch der Weg das schönste, also einfach nie das Ziel erreichen, dann bleibt es spannend).

WAS DIE BIBEL SAGT: Jesus nannte den Schlüssel zum Glück, als er sagte: "Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind" (Sich seiner Selbst bewusst zu sein ist durchaus immer positiv und sich geistig zu bilden auch). Man kann nur dann wirklich glücklich sein, wenn man etwas unternimmt, um das wichtigste Bedürfnis, das wir Menschen haben, zu befriedigen: das Verlangen, zu wissen, wer Gott ist und was er mit uns vorhat (Ich gebe zu, es wäre durchaus manchmal sehr nützlich zu wissen, warum man gewisse Dinge durchmachen muss, aber muss man dafür Gott kennen? Vor allem warum "wer ist er"? Wer ist Gott? Komische Frage). Die Bibel gibt uns die Antwort (Da halte ich es wie mit den Makronen vom Oberlaa: Sie sind auch nicht die Lösung für alles und so kann es Gott auch nicht sein. Überhaupt wäre Gott eine Makrone würde ich mich schon eher mit ihm anfreunden. Aber da ja nicht geklärt ist wer er ist…). Wenn wir sie kennen, können wir besser einschätzen, was im Leben wirklich zählt. Und wenn wir zulassen, dass die Wahrheit der Bibel unsere Entscheidungen und unser Verhalten beeinflusst, wird unser Leben sinnvoller werden.
Das war die Antwort und so einfach ist das…machen Sie was draus und werden Sie glücklich!

Einen Blick riskieren: Sehr schön anzusehen ist die "Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit", Fleischmarkt 13, 1010 Wien. Infos unter: griechische-botschaft.at
In kirchlichen Kellern: Führungen durch die Michaelagruft: Spannend und ein Stück Wiener Stadtgeschichte. Es lohnt sich! Bis Oktober Führungen von Montag bis Samstag um 11 Uhr und um 13:30. Treffpunkt ist vor der Kirche (am Michaelaplatz) und nehmen Sie eine Jacke mit, es ist sehr kalt da unten. Infos unter: michaelerkirche.at
Musikalische Gedanken: Nichtsdestotrotz ohne Religion wären einige der schönsten (musikalischen) Werke nicht entstanden. Es gibt fast nichts schöneres als z.B. das ganze (! - sehr selten möglich) Weihnachtsoratorium von Bach in einer Kirche anzuhören.

Von Ausbrüchen und Opernregisseuren – oder: Anleitung zur Großkotzigkeit

Opernregisseure sind eine eigene Spezies – eine ganz eigene Spezies. Aber wir können von Ihnen den "großen Auftritt" lernen.

Teil meiner Schallplattensammlung
Was für Menschen auf einen immer so losgelassen werden!
Gut, im Alltag auf der Straße kann man sich dem nicht gänzlich entziehen, in Anstalten der öffentlichen Hand erwartet man ja eher schon eine gewisse Vorselektion, bekommt sie leider aber doch nicht.

Jeder, der einmal ein Opernhaus nicht abends für den Zweck betreten hat, füllige Menschen in fülligen Kostümen zu betrachten (lassen Sie mir das Klischee, auch wenn ich selbstverständlich weiß, dass wir Anna Netrebko haben – das Allheilmittel, die Verjüngungs- und Verschlankungskur für die ganze Branche), trifft unweigerlich auf die Menschen, die sonst im Dunkeln stehen…meist einfach auch zu Recht!

Eine ganz besondere Spezies sind die Opernregisseure (Frauen sind Mangelware und werden minderheitentypisch hier einfach mal ignoriert): Die wirklichen Dramen aber spielen sich, wie wir ja wissen, nicht auf der Bühne ab, sondern schreibt das Leben!
Ab und zu entlässt man diese sozial inkompatiblen Wesen aus ihrem Käfig, in dem ihre Macht uneingeschränkt anerkannt wird, DarstellerInnen ist das eigenständige Denken sowieso tendenziell untersagt, das Theater lebt von klaren Rollenverteilungen, einmischen unerwünscht und dann führen sie sich eben auf wie Tiere, die man von der Leine gelassen hat.
Drei Tage mit Herrn K., der kürzlich Traviata, die alte (und schwäbelnde – na, was es nicht alles gibt) Hure, zusammen mit Karl-Theodor zu Guttenberg auf die Bühne brachte, zumindest scheint sich das Kostümbild zu Guttenberg als Idealbild des naiven jugendlichen Helden vorzustellen, waren eine One-Man-Opernaufführung und sicher für manch einen dramatischer, als sein ganzes Leben bis dato. Über seine Lesarten der Opern kann, nein man muss sich streiten, aber sein polterndes Auftreten ist durchaus eine Inspiration!

Wie aber gelingt ein solcher unvergesslicher Auftritt? Ganz einfach:
Maßgebend bei dieser Art von Inszenierung: Seien Sie absolut von sich selbst überzeugt und denken Sie, Sie seien ein Star.
Auch wenn Sie einen schrecklichen Akzent sprechen, lassen Sie sich nicht davon abbringen andere darauf hinzuweisen, dass Sie doch bitte Deutsch sprechen sollten und überhaupt, alle reden unverständlich, also immer genervt überdeutlich betonend ins Wort fallen: „Ich verstehe Sie nicht!“. Damit unterbinden Sie unnötige Diskussionen, weil die Gegenseite durch ständiges Wiederholen von alleine aufgibt.
Grundsätzlich sollten Sie auf Assistenten bestehen. Unterlagen, Stifte etc. sollten niemals (!) selbst mitgeführt werden und auch der Ort, an dem Sie erscheinen sollen, dürfen Sie niemals von sich aus ausfindig machen wollen oder wenn Sie ihn bereits kennen, etwa alleine aufsuchen. Bestehen Sie auf eine Begleitung, die Sie entsprechend leitet.
Gut ist auch, zumal Sie dann immer gleich die Hierarchie festgelegt haben, andere Menschen mit „Und wer sind jetzt Sie?“ anzusprechen. Damit zeigen Sie außerdem, dass man Sie kennen sollte und der andere sich und seine Anwesenheit vor Ihnen erst einmal erklären muss.
Sollte Sie einmal etwas ärgern, dann holen Sie zum Generalschlag aus! Sätze wie: „Sie haben es nicht  verdient zu leben, Sie sind tot!“ sind wunderbar, wenn Sie Ihrem Schneider einmal eine schiefe Naht nicht verzeihen können. Aber dabei sollten Sie es auf keinen Fall belassen. Stimme anheben, von Vorteil wenn Sie etwas über Sprechtechniken Bescheid wissen, brüllen und einfach einmal alles, was Sie schon immer genervt hat los werden: Wien, Versuchsanstalt für den Weltuntergang (hier müssen Sie das Zitat frei nach Karl Kause einfach entsprechend Ihres aktuellen Aufenthaltorts ändern), niemand kümmert sich, alle schauen nur zu, keiner weiß etwas, satt sind Sie alle, ausgeschlafen, ja davon verstehen Sie etwas!

Probieren Sie es aus (die Angst für jähzornig gehalten zu werden müssen Sie überwinden. Scham ist bei solchen Inszenierungen absolut hinderlich.)…und gehen Sie in die Oper! Hier dürfen Sie hemmungslos Rosen und gleichermaßen faule Eier werfen.
Trauen Sie sich, seien Sie emotional!

"Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst?"* – oder: Lass uns mit einem Kuss in eine unbekannte Welt aufbrechen…

Was bedeutet eigentlich ein Kuss? Über die verwirrende Datingkultur Österreichischer Männer...

"Illusionen sind das Schönste auf der Welt. Sie sind das, was uns
am Leben hält"...singt die Knef
...ist ein Versprechen, das wir eher nicht hören werden, denn ein Kuss ist ein Kuss ist ein Kuss und alles andere Spekulation! Damit wäre das Thema dann auch schon ausreichend erörtert. Next!
Tja, so einfach ist es aber dann doch nicht. Heiße Diskussionen im Rahmen der Völkerverständigung zwischen österreichischen Männern und deutschen Frauen. Der Vorwurf: Das deutsche Frolein soll nämlich sehr großzügig mit der Kussverteilung sein, während der österreichische Bursche doch im tiefsten Inneren ein Romantiker sei. Kein Kuss ohne die Nummer der Dame am Ende zu erfragen, kein Kuss ohne ernste Absicht, wie auch immer diese ernste Absicht aussehen mag und die Einladung auf einen Kaffee danach, selbstverständlich der Wunsch jemanden wahrhaftig kennenlernen zu wollen.
Ich halte das alles für eine gut geplante Marketingstrategie zur Aufrechterhaltung des Klischees des charmanten Österreichers, schon im Kindesalter eingetrichtert.

Totale Verwirrung herrscht ja sowieso schon, die zwischenmenschliche Kommunikation in Österreich ist geprägt von vielen Missverständnissen und erst recht in den weiblichen Reihen der deutschen Community, wenn es darum geht die Flirtsignale mit den Einheimischen richtig zu deuten.
Wie genau datet man eigentlich einen Österreicher? Was meint er, wenn er sagt "mal", "ich hätte nichts gegen eine Begleitung", seinen Veranstaltungskalender vorließt, aber niemals eine Einladung ausspricht. Was ist nur nett gemeint und was ein ernster Versuch der Kommunikation?
Und wieso starren einen alle immer so lange an? Ist das schon flirten? Wieso darf man österreichische Männer nicht ansprechen (sie fallen meist sofort in Ohnmacht)? Warum aber auch nicht darauf warten, dass sie einen ansprechen (weil sie es nicht tun werden)? Irgendwann die Frage wie sich dieses Volk eigentlich vermehrt?!

Sind die Nummern einmal getauscht, heißt es es weiterhin: Nummern sammeln, Dates haben! Denn auf eines kann man sich verlassen, der eine meldet sich nie, immer erst nachts um zwei, erst in vier Tagen, fährt zwischendrin in den Urlaub. Es muss also für ausreichend Abwechslung und Ersatz gesorgt werden.
Zumal noch eine anstrengende Phase bevorsteht. Wenn die österreichischen Männer etwas können, dann ist es gelassen bleiben. Denn in dem Land, in dem die Zeiger der Uhren nur jede halbe Stunde eine Minute weiterrücken, haben alle wahnsinnig viel Zeit, bis auf die überkommunikativen und ständig unter Strom stehenden Deutschen. Die wollen vorher wissen, klären, planen, abstecken, einfache und kurze Wege und schauen dann in überraschte und irritierte Gesichter. Vor allem wenn es darum geht die Dinge beim Namen zu nennen.
Wird's nicht die eine, dann wird's eben die andere, scheint das Motto zu sein, bis der österreichische Mann dann einmal in einer Beziehung ist und die Gelassenheit einer Obsession weicht. Machen Sie sich am Ende (eines Techtelmechtels oder welchen Namen auch immer die Sache verdient hat) auf dramatische Szenen gefasst: Champagner-Rosen-Kerzen-Kram zu nächtlicher Stunde.

Lassen Sie sich aber nicht beim Mehrfachdaten erwischen! Das ist in Wien nicht so einfach, Sie müssen also sorgfältig den Ort planen (sollten Sie je einen verheirateten Mann treffen wollen, müssen Sie das generalstabsmäßig vorbereiten und zwar zu Ihrem eigenen Schutz! Zumindest wenn Sie nicht sofort auswandern und noch einen Job haben wollen).
Vermeiden Sie es den jeweiligen Freundeskreis kennen zu lernen. Je mehr davon wissen, desto größer die Gefahr, dass es einer weiß, der ebenfalls mit Date Nummer X befreundet ist, an dem Sie eventuell ernsthaftes Interesse haben und dann davon erfährt. Außerdem müssen Sie ja vermeiden, dass Sie abends, wenn Sie mit einem anderen Date unterwegs sind, häufig angesprochen werden und rauskommt, dass Sie des öfteren mit Männern losziehen. Es reicht schon allen Ihren Ex-Liebhabern, Ex-Affären, Ex-One-Night-Stands, Ex-Dates, Ex-ArbeitskollegInnen, Ex-Best-Friends usw. ausweichen zu müssen. Es ist ein Tanz auf dem Minenfeld und Sie sollten es zu überleben lernen, sonst katapultieren Sie sich ins soziale Aus. Öffentliches Rumknutschen birgt also definitiv eine vorher nicht ganz genau kalkulierbare Gefahr!
Nachbarn sind eine perfekte Affäre (wenn Sie nicht sowieso auf die eigenen Landsleute setzen wollen, weil zumindest hier schon mal die Absprachen funktionieren, kompliziert wird es ja dann sowieso immer noch von alleine), zumal der Fünf-Minuten-Weg nach Hause diskret passieren kann. Sie sollten allerdings gut auseinander gehen, Sie sind ja Nachbarn!
Hier sei nur kurz angemerkt: Eine Affäre, meine Herren, mag nur eine Affäre sein, aber auch eine Affäre muss man pflegen. Booty Calls müssen beidseitig möglich sein, sonst ist eine Affäre schneller beendet, als sie angefangen hat und danach wie ein angeschossener Hund zu reagieren, ist nicht die feine Art und Sie machen sich lächerlich!
Vermeiden Sie Facebook-Freundschaften! Am Ende weiß niemand wie man das eigentlich handhaben soll und die Überwachungsmöglichkeit ist viel zu gut.
Spätestens wenn Sie fünf Ihrer Ex-Liebhaber und Co. regelmäßig auf Partys treffen, sollten Sie beginnen sich neue Kreise zu erschließen.

Die Moral der Geschicht? Aus der Völkerverständigung wird wohl eher doch nichts…nein, wir wollen es nicht so pessimistisch sehen, küssen Sie einfach!

Und woher kam jetzt noch mal Ihr siebter Vorname? – oder: Adelsg'schichten

Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Großbritannien hat mich die WIENERIN zum Thema Adelshochzeiten befragt. Aber man muss das Land nicht verlassen, um dem Adel beim Leben zuzusehen.

Schloß Neuschwanstein
Ich bin noch nie so vielen Menschen mit adliger Herkunft begegnet wie in Wien. Normale Alltagsszene, dass ein junger Habsburg-Lothringer samt langem Vornamenregister beim Arzt ausgerufen wird.
Aber nach der zehnten Geschichte, die man sich anhören muss, wie der/die GesprächspartnerIn jetzt mit wem und wie über welche Ecke verwandt ist und ja man stünde natürlich in direkter Linie zum Kaiserhaus, würde es das noch geben, wäre das nicht sowieso besser?!, winkt man ab und sagt: ok, ich nenne Sie einfach Bob!

Ich liebe alte Traditionen und gute Erziehung, große Familien finde ich wunderbar, Herzensbildung und Ehrgeiz, nichts was ich ablehne. Aber bisher, muss ich gestehen, war ich über den Großteil der AdelstitelträgerInnen dezent entsetzt. Es ist wohl Ergebnis eines doppelten Leids: Österreich zerschlagen und zu einem kleinen Land geschrumpft, sind dem Adel auch noch die Titel genommen worden. Das ist für das Ego nur schwer zu ertragen. Es musste nicht erst Herr zu Guttenberg kommen, um zu zeigen, dass Schein und Sein auch nicht beim so gestrengen Adel immer übereinstimmen, es zeigt sich jeden Tag. Der Lack bröckelt. Es ist aber auch gemein: Man stellte einmal etwas dar, hat die ganzen Generationen im Rücken, man gehört zu einer sehr gut organisierten Elite, hat aber dennoch alle Freiheiten.
Überhaupt, die Freiheit ist am Ende an allem schuld. Sie ist die Hure, die verführt, den "Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen". Für etwas, das es nicht mehr gibt, ist der Adel bis heute allerdings in erstaunlich guter Verfassung…ob der Titel nun echt, erkauft oder erlogen, als Projektionsfläche funktioniert er bis heute. Und wann sieht man denn heute noch so theatralische Inszenierungen? 
In diesem Sinne, wir freuen uns auf den 29. April!...ach ja und darf man Uniformen eigentlich wieder sexy finden?

In der Presse: Mira Kolenc im Gespräch mit der WIENERIN: "Das Lieben der anderen", Nr.259, April 2011.